Prora - der Ort

Woher kommt der Name Prora?

Der Name ist slawischer Herkunft und bezeichnet „die Prora“, einen in der schmalen Heide gelegenen, parallel zur Küste der Prorer Wiek verlaufenden Höhenzug zwischen dem Ostseebad Binz und der Ortschaft Neu Mukran. Dieser Landstreifen war bis in die 1930er Jahre ein ziemlich unbekanntes Naturschutzgebiet.

Dann geriet dieser Landstrich in das Visier der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF), einer Art Tourismusabteilung der Deutschen Arbeitsfront (DAF), in der praktisch jeder Berufstätige Mitglied war. Im Jahr 1935 beschloss Hitler den Bau von fünf großen Seebädern, in denen jährlich 1,5 Millionen Menschen jeweils 10 Tage untergebracht werden sollten. Im April 1938 wurde mit dem Bau des ersten Seebades auf Rügen begonnen – es war für 20.000 Urlauber und mit Unterkünften für 2.000 Angestellte konzipiert. Auch bei den Planungen für das „Seebad der 20.000“ in Prora hat Hitler Einfluss genommen. Die Ausstattung sowie der Aufbau der Flure, Fahrstühle und Zimmer waren so vorgesehen, dass die Gebäude im Kriegsfall als Lazarett genutzt werden könnten.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurden die Arbeiten fast vollständig eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gebäude zum großen Teil nur im Rohbau fertig. Es wurden polnische und russische Zwangsarbeiter herangezogen, um die Dächer abzudichten und im weiteren Kriegsverlauf wurden einige Abschnitte für Flüchtlinge provisorisch fertig gestellt.

Nach Kriegsende verfügte die sowjetische Besatzungsmacht die Demontage. In den Jahren 1948/49 wurden zwei Blöcke gesprengt. Ab Ende 1949 wurde Prora jedoch allmählich militärisch in Besitz genommen, zunächst durch die Rote Armee, später kam die "Kasernierte Volkspolizei" als Vorgängerin der Nationalen Volksarmee (NVA) hinzu.

Ab 1962 wurde Prora ausschließlich durch die NVA genutzt. Zeitweise waren bis zu 15.000 Militärangehörige in Prora stationiert, darunter eine große Anzahl von "Bausoldaten" - junge Männer, die in der DDR den Wehrdienst mit der Waffe verweigerten und die in Prora unter menschenunwürdigen Bedingungen  zwangskaserniert wurden. [mehr infos]

...und heute?

Bund und Land bemühen sich seit der Wende um eine zivile Nutzung von Prora. Doch angesichts dieser phänomenalen Größe des „Koloss von Rügen“ ist es schwierig, Pläne für beispielsweise Hotels und Ferienwohnungen umzusetzen, da Massentourismus heutzutage nicht mehr der „Renner“ ist.
Große Teile des „Koloss von Rügen“ sind somit Ruinen und verfallen fortlaufend. Einige Bereiche werden allerdings genutzt. So gibt es verschiedene Museen in Teilen des Gebäudes und einen Jugendzeltplatz des Deutschen Jugendherbergswerks. Eine Jugendherberge soll 2011 eröffnet werden.

Desweiteren ist im Juli 2009 ein Projekt gestartet, dass die Verhüllung mit von KünstlerInnen aus der ganzen Welt gestalteten Motiven plant, welche auf  Gewebe gedruckt werden.
Das Projekt setzt auf Kooperation und will den Impuls geben für das Zusammenspiel von Eigeninitiative und den schon vorhandenen Netzwerken aller beteiligten KünstlerInnen mit funktionierenden institutionellen und öffentlichen Beziehungen. [mehr infos]

Deutsches Jugendherbergswerk Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. Förderverein prora03 e.V. Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie Mecklenburg-Vorpommern e.V. Ministerium für Soziales und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern